Hallo!
Ich bin auf der Suche nach Informationen über AD(H)S die auch für "Nicht-Mediziner" verständlich sind. Im Internet habe ich leider noch keine Seite gefunden die für mich wirklich verständlich und hilfreich war.
Auf den Teilnehmerbögen für Freizeiten und Tagesfahrten stehen immer öfter bei "Besonderheiten, Erkrankungen, Medikamentenbedarf u.ä." Angaben drauf wie ADS, manchmal in Kombination mit einer Medikamentenbezeichnung (aber ohne weitere Hinweise der Eltern).
=> Welche Auswirkungen/Gefahren können auftreten?
=> Was ist zu beachten? a.) bei Tagesfahrten; b.) bei mehrtägigen Freizeiten
=> Was passiert wenn Medikamente einzunehmen vergessen wurde? Wie oft müssen solche Mittel eingenommen werden, gibt es (Neben)Wirkungen die unsere Betreuer kennen / wissen sollten?
=> Gibt es erforderliche Einschränkungen bei Aktivitäten?
Für entsprechende Infos / Quellen wäre ich dankbar!
verfasst: 21.03.2009, 15:10
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Hallo,
also wir fragen diese "Krankheit" bereits in unserem Anmeldebogen explizit ab.
Eines vorneweg: Mit solchen Kindern wird es anstrengender - aber trotzdem sollte man ihnen eine Teilnahme erlauben, wenn nicht sogar zu einer Teilnahme raten, denn in der Regel sind AD(H)S-Kinder meist im Bereich sozialer Kompetenz nicht gerade in der Pole Position. Eine Freizeit ermöglicht ihnen also in einem geschützten Rahmen neue Eindrücke zu erfahren und so - trotz ihrer Krankheit - als liebeswerte Menschen angenomme zu werden; denn viel zu oft werden Kinder mit diesem Krankheitsbild in Schule und Vereinen nur als Nervensägen abgestempelt und als lästiger Klotz empfunden. So, jetzt habe ich erst einmal mein Anliegen vorgebracht, nun zu Deiner Frage:
ADS bedeutet Aufmerksamkeitsdefizitstörung - ADHS heißt ADS mit Hyperaktivität.
Die Kinder zeigen über einen längeren Zeitraum hinweg ein sehr unaufmerksames und impulsives Verhalten. Bei motorischer Unruhe und hohem Bewegungsdrang spricht man von ADHS.
Mögliche Symptome von ADS-Kindern:
- nicht altersgemäße Konzentrationsspanne
- heftige Stimmungsschwankungen
- zerstreut, vergessliche Wirkung auf Außenstehende
- verträumt, manchmal heftige Wutausbrüche
Im Falle von ADHS kommt noch hinzu:
- lang-anhaltende Trotzphasen
- häufige, heftige Wutanfälle
Oftmals haben ADHS-Kinder stark aggresive Verhaltensmuster. Dies wirkt sich, wie schon erwähnt, auf das Sozialverhlaten der Kinder aus und führt oftmals zur Isolation.
WICHTIG!! Das unkontrollierte Verhalten bei ADHS-Kinder führt auch zu einem erhöhten Unfallrisiko. Achtung im Straßenverkehr!!
Ebenso reagieren die Kinder extrem anfällig auf äußere Reize und lassen sich durch Kleinigkeiten ablenken und führen daher oftmals begonnenens Spiel etc. nicht zu ende.
Aber: Die Kinder können NICHTS für dieses Verhalten. Es ist eine Krankheit wie Astham oder Diabetes. Daher müssen sie angenommen werden, wie sie sind. Wir, die wir (zum Glück) nicht an dieser Krankheit leiden, müssen daher den betreffenden Kinder so weit es geht helfen - auch helfen, ein "normales" soziales Leben zu führen.
Als Therapie gibt es verschiedene Ansätze: Psychotherapien, "Trainigsmaßnahmen", usw - und eben auch die medikamentöse Behandlung mit verschießenden Psychostimulanzien. Wichtig ist, diese Therapie auch auf der Freizeit strikt weiterzuführen. Die Eltern müssen daher die Medikamente und einen Plan zur Dosierung den Leitern mitschicken. Zur Not müssen die Eltern darauf aufmerksam gemacht werden. Ein Kind, das normalerweise medikamentös behandelt wird, wird übermäßig unruhig, wenn es einen Tag keine Medikamente bekommt. (Das wird anstrengend ;-))
Wichtig ist es im Umgang mit den Kinder auf ein paar grundlegende Dinge zu achten:
Positive Motivation
- Zeige dem Kind, dass Du es genauso magst, wie die anderen!
- Lobe die Anstrengungsbereitschaft, nicht nur den Erfolg, sei motivierend und freunlich.
- Sei nicht nachtragend!
Strukturierung
- Gib den Tag eine klare Struktur! WICHTIG!!!!!!
Sicherheit und Regeln
- Lege klare Regeln und mögliche Konsequenzen fest!
- Unterbrich Wutausbrüche oder verbale Beleidigungen bestimmt - nimm sie nicht persönlich!
Klare, einfache Kommunikation
- Rede mit dem Kind in ruhiger und bestimmter Art.
- Gib kurze Feedbacks!
- Setze verstärkt Blick- und Körperkontakt ein!
- Tritt dem Kind gegenüber stimmig auf, d.h. deine Stimme unterstützt deine Mimik und Gestik - keine Ironie, kein Zynismus!
übertragende Aufgaben
- Gib überschaubare Aufgaben!
- Überseh auch mal kleinere Fehler!
- Lobe das Kidn für jeden nennenswerten Aspekt!
Weitere Infos:
- http://www.adhs.de/ - Eine schöne Seite, gut zu verstehen und sehr hilfreich. "Leider" in erster Linie für Eltern und Lehrer konzipiert.
- Fuß, Manfred: Auffällige Teilnehmer in Ferienfreizeiten und internationalen Begegnungen. Verlag Haus Altenberg, 1. Auflage 2004.
Ein richtig gutes Buch, nicht nur über ADHS, auch über andere auffällige Verhaltensweisen. Aber auch das Kapitel über ADHS ist sehr informativ.
So, ich hoffe, ich konnte helfen.
Abschließend noch eine eigene Erfahrung: Letztes Jahr auf Zeltlager hatten wir auch einen Jungen mit ADHS dabei. Wie oft musste ich ihn zurechtweisen und die Grenzen aufzeigen. Pro Tag ein Wutanfall, ein Trotzanfall, ... Aber diese Impulsivität kann auch umschlagen: Beim Abschied kam er zu mir, mit Tränen in den Augen und hat mich umarmt. Schade, dass er gehen müsse. Es wäre so schön gewesn. Er weiß, er hat mir oft Ärger gemacht, aber "darf ich trotzdem nächstes Jahr noch mal mit? Bitte, bitte!"
Da kämpft man dann selber mit den Tränen. Fazit: Das Kind ist mehr - viel mehr - als die Krankheit ADHS.
Viele Grüße und viel Glück im Umgang mit Deinen Schützlingen!
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editiert von: KjGler, 21.03.2009, 16:16 Uhr<!-- end editby -->